Manchmal ist der Chef nicht böse. Nur klein.

Ein Lead, der zehn Jahre auf dem Schreibtisch lag. Nick hat ihn in zwölf Monaten geschlossen. Was danach kam, hat er nicht kommen sehen.

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Photo by kelisa Bernard / Unsplash

Diese Geschichte kam per Mail. Kein Name, keine Firma — nur der Satz: «Das muss raus.» Wir haben Namen und Details angepasst. Alles andere ist echt. Wenn du eine ähnliche Geschichte hast: unsere Tür ist offen.

Der Lead lag seit zehn Jahren auf dem Schreibtisch seines Vorgesetzten.

Zehn Jahre. Kein Rückruf. Keine E-Mail. Nichts.

Dann kam Nick. Und innert zwölf Monaten sass er beim Entscheidungsträger — und unterschrieb.

Es war kein Zufallstreffer. Nick hatte recherchiert, den richtigen Zeitpunkt abgewartet, 163 Mails geschrieben bevor die Ansprechpartnerin überhaupt an den Tisch kam. Er hatte die AGBs extra für diesen Kunden neu aufsetzen lassen. Er hatte den Pitch zweimal umgebaut. Er hatte intern gekämpft, damit das Angebot überhaupt konkurrenzfähig war.

Der Abschluss war nicht Glück. Er war Arbeit.


Was danach kam, hat er nicht kommen sehen.

Sein Chef — nennen wir ihn so — sass ihm gegenüber und sagte mit ruhiger Stimme: «Die hat dir nur geantwortet, weil du exotisch aussiehst. Bei mir als alter dicker weisser Mann mit Glatze hätte das nie funktioniert.»

Nick schwieg.

Was sagt man darauf?

Er dachte kurz daran, zu widersprechen. Dann liess er es. Er kannte den Raum. Er kannte den Ton. Er wusste, dass eine Gegenfrage nicht als Gegenfrage ankommen würde.


Die Bonusrunde nahte.

Die KPIs waren klar gewesen. Schriftlich. Vereinbart. Nick hatte sie nicht nur erreicht — er hatte sie übertroffen. Der Grossabschluss war der deutlichste Beweis, aber nicht der einzige. Sein Pipeline-Wert hatte sich verdreifacht. Die Abschlussquote lag über dem Teamdurchschnitt.

Dann, drei Wochen vor dem Gespräch, änderten sich die Zahlen.

Nicht rückwirkend, das hätte jeder bemerkt. Subtiler: Die Gewichtung wurde neu definiert. Plötzlich zählten andere Metriken. Plötzlich war das, was Nick stark war, weniger relevant — und das, was er nie priorisiert hatte, entscheidend.

Im Gespräch sagte sein Chef: «Alle sagen, der Grossabschluss war nicht wirklich deine Leistung.»

Alle. Anonym. Nicht nachvollziehbar. Nicht greifbar.

Nick fragte, wen er damit meinte.

«Das spielt keine Rolle. Das ist das Feedback, das ich habe.»


Mitarbeiter des Jahres wurde Marco.

Marco ist IT-Projektleiter. Guter Mann. Macht seinen Job. Hat mit Sales ungefähr so viel zu tun wie ein Buchhalter mit Kaltakquise.

Die offizielle Begründung: Er habe «massgeblich zum Onboarding des Neukunden beigetragen».

Nick sass an der Weihnachtsfeier, applaudierte und trank seinen Weisswein leer.


Er hat bis heute nicht gekündigt.

Nicht weil er schwach ist. Sondern weil er weiss, dass diese Entscheidung sitzen muss. Dass der nächste Schritt der richtige sein muss.

Er trägt die Geschichte mit sich. Sie verändert, wie er Versprechungen bewertet. Wie er auf Handschlagqualität reagiert. Wie er in Gesprächen zuhört — und was er zwischen den Zeilen liest.


Nicht jede Ungerechtigkeit im Schweizer B2B-Sales hat einen klaren Bösewicht.

Manchmal ist es ein System, das niemand hinterfragt. Eine Unternehmenskultur, in der Erfolg von oben verteilt wird — nicht von unten erarbeitet. Ein Chef, der nicht böse ist, aber klein. Der sich bedroht fühlt von jemandem, der Dinge schafft, die er selbst nicht mehr schafft.

«Exotisch» war das Wort, das er benutzte.

Was er meinte, war: Ich verstehe nicht, warum du erfolgreich bist. Und das macht mir Angst.


Nick ist immer noch gut in seinem Job.

Das hat ihm noch niemand nehmen können.

Noch nicht.

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